Vermutlich ist das Album „Unterwegs/Angekommen“ für den Käufer eine der teuersten CDs der Zeitgeschichte. Auf den ersten Blick kostet sie nicht mehr, als eine herkömmliche Scheibe, bald aber merkt man, dass sie üppig nachgerüstet werden muss: damit sich das Bouquet des Songs „Heute ist Heute“ richtig entfaltet, empfiehlt es sich, sich einen „Chrysler PT Cruiser“ zuzulegen und damit gen Sonnenuntergang zu gondeln. Beim rastlos treibenden „One Day“ dagegen empfiehlt sich das Anschaffen eines Chevrolet Camaro mit dem man scheinbar ziellos die Lichter einer Grossstadt durchquert.


Kein Luftikus-Szenario
Chris Hess hat es sich mit seinem neusten Werk nicht einfach gemacht, was alleine schon die beiden angesprochenen Songs belegen. „Heute ist Heute“ klingt leicht und beflügelt, gerade in hektischen Momenten. Mit diesem Lied lassen sich Sorgen und Probleme spielerisch abstreifen und gerade die Violinen tragen in dieser zeitlosen Musik, die einen malerischen Text beherbergt; „der Morgen schmeckt süss wie ein Lächeln, wie Regen im Mai“. Beim mehrmaligen Hören freilich ist zu spüren, dass wesentlich mehr drin steckt, als ein fröhliches Luftikus-Szenario; eine Oase in stürmischen Zeiten.


Rastlos
Mehrere Songs dokumentieren eine gewisse Rastlosigkeit, analog zum ersten Wort des Albumtitels „Unterwegs/Angekommen“. Insbesondere, aber nicht nur die drei ersten Stücke berichten von einer intensiven Suche, von einem losreisen und ausbrechen aus angedeuteten aber nicht endgültig aufgeschlüsselten Strukturen – für den Hörer bleibt somit Raum für eine eigene Situation welcher Art auch immer.
Pulsierend dann das „Eröffnungsstück“ der englischsprachigen Sektion des Silberlings, „One Day“. Mit einem Anklang an die „Bee Gees“ singt sich der Poet durch die ruhelosen Metropolen Europas.


Klangvolle Duette
Die ersten neun Songs auf dem Tonträger sind in hochdeutscher Sprache, die letzten fünf grüssen in Englisch. Gerne drückt man den „Repeat“-Knopf beim packenden Duett mit Carmen Fenk („Wonderful Day“). Dieses mündet thematisch scheinbar in die nächste Komposition, die Hess gemeinsam mit der Sängerin Lidia Genta bestreitet („We don’t have to say goodbye“).


Angekommen
Zuletzt kommt der Autor an. Lauten die ersten Worte im ersten Stück („Ich frag weil ich fragen muss“) „Ich pack die Koffer – lass sie stehn. Suche das Weite kann endlich gehen.“ endet das letzte Stück auf der Scheibe („You said“) mit den Zeilen „Come walk with me, stay right here in this house“. Das Album zeigt erheblichen Tiefgang und auch eine spirituelle Dimension, so etwa in „Nur 1 Wort“, einem Ausstrecken nach Boden der trägt, nach Gott. Oder den einordnenden Zeilen in „Himmelspfade“ oder im abrundenden Stück „You said“, welches das Finden des Ziels dokumentiert.


Daniel Gerber


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